Ein Kündigungsschreiben für einen befristeten Arbeitsvertrag ist rechtlich nur möglich, wenn eine Kündigungsklausel im Vertrag vereinbart wurde (§ 15 Abs. 3 TzBfG). Fehlt diese Klausel, kann der Vertrag nicht ordentlich gekündigt werden. Hier ist das rechtssichere Muster 2026 — und die 5 häufigsten Fehler.
Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) regelt in § 15 Abs. 3 unmissverständlich: Ein befristetes Arbeitsverhältnis kann nur dann ordentlich gekündigt werden, wenn dies einzelvertraglich oder in einem anwendbaren Tarifvertrag vereinbart ist. Ohne diese Vereinbarung ist die ordentliche Kündigung — für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen — ausgeschlossen.
Was bedeutet das in der Praxis?
Erste Prüfung: Schlagen Sie im Arbeitsvertrag nach, ob eine Klausel wie „Das Arbeitsverhältnis kann von beiden Seiten mit einer Frist von [X Wochen/Monaten] ordentlich gekündigt werden" enthalten ist. Ohne diese Klausel sollten Sie einen Anwalt für Arbeitsrecht konsultieren, bevor Sie kündigen.
Das folgende Muster ist vollständig einsatzbereit. Ersetzen Sie die Platzhalter in eckigen Klammern durch Ihre konkreten Angaben.
[Vor- und Nachname]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ und Ort]
[E-Mail-Adresse — optional]
[Name des Arbeitgebers / Firma]
[Personalabteilung oder Name der zuständigen Person]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ und Ort]
[Ort], den [Datum]
Kündigung des befristeten Arbeitsverhältnisses
Sehr geehrte/r [Frau/Herr Nachname],
hiermit kündige ich das zwischen uns am [Datum des Vertragsabschlusses] geschlossene befristete Arbeitsverhältnis fristgerecht zum [genaues Enddatum], hilfsweise zum nächst zulässigen Termin.
Ich bitte Sie, mir den Erhalt dieses Schreibens schriftlich zu bestätigen und mir ein qualifiziertes Arbeitszeugnis sowie eine Bescheinigung über meinen verbleibenden Resturlaub zukommen zu lassen.
Mit freundlichen Grüßen,
[eigenhändige Unterschrift]
[Vor- und Nachname in Druckbuchstaben]
Hinweise zum Muster: Der Ausdruck „hilfsweise zum nächst zulässigen Termin" sichert Sie ab, falls Sie die Frist falsch berechnet haben. Die Kündigung wirkt dann automatisch zum nächsten regulären Termin und ist nicht wegen Fristfehlers unwirksam.
Bei befristeten Arbeitsverträgen mit Kündigungsklausel gilt folgende Rangfolge für die anzuwendende Frist:
| Grundlage | Frist | Priorität |
|---|---|---|
| Tarifvertrag (günstiger) | Je nach Tarif | Höchste Priorität |
| Arbeitsvertragliche Kündigungsklausel | Vertragliche Frist (mind. gesetzliche) | Zweite Priorität |
| Gesetzliche Grundfrist (§622 Abs. 1 BGB) | 4 Wochen zum 15. oder Monatsende | Gesetzlicher Mindeststandard |
| Probezeit (falls vereinbart) | 2 Wochen, kein fester Termin | Nur während Probezeit |
Der häufigste und folgenschwerste Fehler: Arbeitnehmer kündigen einen befristeten Vertrag, ohne zu prüfen, ob eine Kündigungsklausel vereinbart wurde. Eine solche Kündigung ist unwirksam. Das Arbeitsverhältnis besteht bis zum Befristungsende weiter — mit Arbeitspflicht, Anspruch auf Vergütung und eventuell Sperrzeit beim Arbeitslosengeld.
Lösung: Immer zuerst den Vertrag prüfen. Gibt es keine Klausel: Aufhebungsvertrag verhandeln oder bis zum Befristungsende warten.
§ 623 BGB schreibt die Schriftform zwingend vor — mit eigenhändiger Unterschrift. Eine Kündigung per E-Mail, WhatsApp, SMS oder mündlich ist nichtig — von Anfang an unwirksam und nicht heilbar. Die Kündigung muss neu, diesmal schriftlich, ausgesprochen werden.
Lösung: Immer schriftlich mit Originalunterschrift. Übergabe persönlich gegen Empfangsbestätigung oder per Einschreiben mit Rückschein.
Wer zu spät kündigt, verpasst den gewünschten Austrittstermin. Die Formulierung „hilfsweise zum nächst zulässigen Termin" fängt diesen Fall ab — die Kündigung wirkt dann zum nächstmöglichen Datum.
Lösung: Frist sorgfältig berechnen und die Hilfsterminformulierung im Schreiben verwenden.
Nach einer Kündigung haben Sie Anspruch auf ein Arbeitszeugnis (§ 109 GewO) und auf Gewährung oder Auszahlung des Resturlaubs. Der Arbeitgeber stellt das Zeugnis nicht automatisch aus — Sie müssen es verlangen.
Lösung: Im Kündigungsschreiben explizit um Zeugnis und Urlaubsnachweis bitten (wie im Muster oben enthalten).
Eine Kündigung wird erst wirksam, wenn sie dem Empfänger zugegangen ist (§ 130 BGB). Können Sie den Zugang nicht nachweisen, kann der Arbeitgeber behaupten, das Schreiben nie erhalten zu haben.
Lösung: Persönliche Übergabe mit Empfangsbestätigung auf einer Kopie, oder Einschreiben mit Rückschein (nicht: einfaches Einschreiben).
Bei Insolvenz des Arbeitgebers gilt nach § 113 InsO ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht für beide Seiten. Die Kündigungsfrist beträgt in diesem Fall maximal 3 Monate zum Monatsende, unabhängig von der vertraglichen Frist. Dieses Sonderkündigungsrecht gilt auch bei befristeten Verträgen ohne Kündigungsklausel — die Insolvenz überlagert die Regelungen des TzBfG.
Arbeitszeugnis (§ 109 GewO): Sie haben Anspruch auf ein einfaches (Tätigkeitsbeschreibung) oder qualifiziertes Zeugnis (mit Führungs- und Leistungsbeurteilung). Das qualifizierte Zeugnis muss ausdrücklich verlangt werden.
Resturlaub: Gesetzlicher Urlaub (§ 3 BUrlG: mindestens 24 Werktage/Jahr bei 6-Tage-Woche) ist bis zur Beendigung zu gewähren. Ist das nicht möglich, wird er als Urlaubsabgeltung ausgezahlt.
Weiterführende Artikel: Kündigung durch den Arbeitgeber — Rechte und Fristen, Kündigungsfristen berechnen 2026 und Kündigung in der Probezeit.
Rechtlicher Hinweis: Dies ist keine Rechtsberatung. Die Angaben auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle anwaltliche Beratung. Konsultieren Sie einen Fachanwalt für Arbeitsrecht für verbindliche Auskünfte in Ihrem konkreten Fall.